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Geschichte der Stadt Leipzig

Seine Lage im Zentrum Europas hat Leipzig schon früh zu einer bedeutenden Handelsstätte gemacht. Die erste Messestadt der Welt verlor zu DDR-Zeiten zwar an internationaler Bedeutung, doch nach der Wende waren es gerade die alten Traditionen, die der Stadt Leipzig den Anschluss an den bundesdeutschen Kulturstandard sicherten. Hier finden Sie die Stationen einer bewegenden Stadtgeschichte.

Marktplatz an zwei römischen Handelsstraßen

Bis zur ersten Jahrtausendwende entstanden in Europa die ersten großen Handelsstraßen. Zwei davon, die Via Regia und die Via Imperii trafen sich mitten in Deutschland.
Die Siedlung, die sich schon seit einigen hundert Jahren an dieser Stelle befand, entwickelte sich zu Beginn des elften Jahrhunderts endgültig zum florierenden Markt- und Handelsplatz. 1065 wurde die Stadt Urbs Libzi erstmalig erwähnt, eine überlieferte Stadturkunde ist auf das Jahr 1165 datiert.

Um den Status als Handelsplatz zu stärken, genoss Leipzig schon früh verschiedene Privilegien. 1497 wurde die Stadt von Kaiser Maximilian als Reichsmesse proklamiert und erwarb damit weitere Sonderrechte zur Vereinfachung von Handelsgeschäften. Damit wurde Leipzig zur ersten Messestadt der Welt.

Frühe Kulturleistungen im Mittelalter

Leipzig war nie Bischofssitz oder königliche Residenz. Ab 1301 wurde die Stadt vom Bürgermeister und den Stadträten regiert, Ämter, die meist auf Lebenszeit verliehen wurden.
Die ersten Kirchenbauten wurden bereits im 12. Jahrhundert angelegt. So gehen auch die Gründungsphasen der beiden bedeutendsten Kirchen Leipzigs auf diese Zeit zurück. Die Grundsteinlegung für die Nikolaikirche erfolgte 1165, mit dem Bau der Thomaskirche begannen die Leipziger im Jahr 1212. Schon in dieser Zeit wurde auch der Thomanerchor gegründet, dessen Tradition bis in die heutige Zeit fortgeführt wird. Der Knabenchor der Leipziger Thomaskirche gehört zu den berühmtesten Kirchenchören Europas.

Als Teil des Thomasklosters wurde 1213 auch das älteste Krankenhaus der Stadt gegründet, bereits 1439 kaufte es die Stadt und wandelte es in ein städtisches Krankenhaus um.
Der internationale Marktplatz Leipzig war ein idealer Boden für fortschrittliche Ideen. Gelehrte und Wissenschaftler, die bisher an der Prager Karlsuniversität gewirkt hatten, gingen nach Leipzig, um hier eine Universität nach ihren Vorstellungen zu gründen und sich von den Dogmen der katholischen Kirche zu befreien. Sie gründeten im Jahre 1409 die Alma Mater Lipsiensis. Schon bald wurde Leipzig zu einer der wichtigsten Universitätsstädte der damaligen Zeit.

Reformation und wissenschaftlicher Fortschritt in der Neuzeit

Allein aufgrund seiner bisherigen Geschichte war Leipzig auch offen für die Reformation der katholischen Kirche. Auf der Leipziger Disputation von 1519 konnte Martin Luther die Ideen der Reformation gegen seinen Widersacher Johannes Eck durchsetzen. Schon bald wurde in den Leipziger Kirchen protestantisch gepredigt.
Zur selben Zeit zogen wissenschaftlich-technische Neuerungen wie Wasserleitungen und öffentliche Brunnen in das städtische Leben ein. Mit der Alten Nikolaischule  gründete sich 1511 die erste städtische Lateinschule. Schon wenige Jahre später wurde übrigens das älteste bis heute erhaltene Gasthaus gegründet, der berühmte Auerbachs Keller.

Im Dreißigjährigen Krieg stand Leipzig denn auch fest an der Seite des Schwedenkönigs Gustav Adolf. Der Heerführer der Protestanten verlor vor den Toren der Stadt in der Schlacht bei Lützen sein Leben. Nach dem Ende des Krieges setzte sich die fortschrittliche Entwicklung von Leipzig fort. Unter anderem machte sich die Stadt nun auch als Verlagsstadt einen Namen. 1650 erschien mit der „Einkommenden Zeitung“ die erste Tageszeitung der Welt. Wenige Jahre später begann mit der Einführung der Leipziger Stadtkehrer auch die Geschichte der Stadtreinigung.

Eine blühende Kulturstadt des 18. Jahrhundert

Nicht zufällig ließ Johann Wolfgang Goethe seinen Gelehrten Faust nach Leipzig reisen, damit der Teufel ihn dort in Versuchung führte. Die trink- und streitfreudigen Studenten in „Auerbachs Keller“ wurden zum Sinnbild für die lebenslustige Atmosphäre im damaligen Leipzig. Der spätere Geheimrat Goethe hatte selbst in Leipzig studiert, an ihn und seine Faust-Szene erinnert ein Bronze-Denkmal in den Leipziger Mädlerpassagen.

Schon 1701 gab sich die Messe- und Universitätsstadt mit einer Straßenbeleuchtung ein mondänes Antlitz. Das Klein-Paris von Deutschland zog viele Händler an, vor allem Pelze, Tee und Kaffee waren florierende Handelsbereiche. Aber auch zahlreiche Musiker zog es in die lebendige Sachsenstadt. Hier wirkten Georg Phillip Thelemann und Johann Sebastian Bach, der jahrzehntelang als Thomaskantor wirkte. In Leipzig entstanden die Johannes- und Matthäuspassion, und das Weihnachtsoratorium, das bis heute überall in Deutschland zur Adventszeit zu hören ist.

Die Entwicklung zur modernen Messestadt im Herzen Europas

Im Jahre 1806 hatte sich der Freistaat Sachsen mit dem napoleonischen Frankreich verbündet. So kam es, dass ausgerechnet vor den Toren von Leipzig die entscheidende Schlacht gegen das Eroberungsheer von Napoleon geschlagen wurde. Dabei kämpften sächsische Patrioten zusammen mit dem antinapoleonischen Heer der Russen, Österreicher, Schweden und Preußen. Die Soldaten des sächsischen Königreiches standen auf der Seite Napoleons.

Nach dem Ende der napoleonischen Kriege setzte Leipzig seine blühende Entwicklung ungehindert fort. Als Musikstadt blieb es Wahlheimat großer Komponisten wie Felix Mendelsohn Bartholdy und Robert Schumann. Das historische Restaurant „Zum Kaffebaum“ war damals die Begegnungsstätte von Musikern, Dichtern und Künstlern und kann heute noch besucht werden.
In dieser Zeit wurde auch der Augustusplatz mit dem Neuen Theater und dem Gewandhaus errichtet. Mendelson Bartholdy leitete das Gewandhausorchester und machte es zum fortschrittlichsten Klangkörper Deutschlands.

Einige technische Pionierleistungen gingen von Leipzig aus, so wurde 1839 zwischen Leipzig und Dresden die erste Fern-Eisenbahnstrecke errichtet. 1902 bis 1915 wurde dann Deutschlands größter Kopfbahnhof in Leipzig erbaut.

Zur selben Zeit veränderte das moderne Baugeschehen das Bild der Stadt auf tiefgreifende Weise. Im Stadtzentrum wurden die Handelshöfe errichtet. Vom Ende des 19. bis zu Beginn des ersten Weltkrieges baute man die großen Handelspassagen mit ihren imposanten Kuppelgewölben. Damit schuf man einen überdachten Messemarktplatz, den die beteiligten Händler auch mit ihren Kutschen erreichen konnten. Beim Bau wurde die bisherige historische Bausubstanz nicht völlig ignoriert. Das vierhundertjährige Gasthaus „Auerbachs Keller“ konnte in die neuen unterirdischen Messegewölbe integriert werden.

Auch die „Pleißenburg“ wurde abgerissen. An ihrer Stelle entstand nun das Neue Leipziger Rathaus nach den Entwürfen des Stadtbaudirektors Hugo Licht. Mit seinen verschiedenen Türmen prägt es seither wie ein Märchenschloss den Anblick der Innenstadt vom Süden her.

Damals noch vor den Toren der Stadt entstand zum hundertjährigen Jahrestag des Sieges gegen Napoleon das Völkerschlachtdenkmal. Das bombastische Monument befindet sich genau an der Stelle, wo Tausende von Soldaten ihr Leben ließen. Nach der Stadterweiterung in den Dreißiger Jahren gehört es zum Leipziger Stadtgebiet und ist seitdem ein umstrittenes Wahrzeichen der Stadt.

1914 bis 1916 wurde das beeindruckende Jugendstilgebäude der Deutschen Bücherei errichtet, die heute wieder zu den drei Standorten der deutschen Nationalbibliothek gehört.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Zur Machtübernahme der Nazis war Leipzig mit 700.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Deutschlands und eine seiner wichtigsten Metropolen. Adolf Hitler erklärte sie zur Reichsmessestadt und erteilte nur Leipzig das Recht, Messen abzuhalten. Bis 1933 regierte der konservative Bürgermeister Carl Friedrich Goerdeler, der sogar noch bis 1936 weiter amtierte. Später ging er als Konservativer in den Widerstand gegen Hitler und beteiligte sich am Attentat vom 20. Juli 1944, wonach er hingerichtet wurde.

Ab 1942 wurden mehrere Tausend Leipziger Juden deportiert. Unter den Bombenangriffen der Alliierten verloren 6000 Menschen in Leipzig ihr Leben. In der Innenstadt wurden die Messebauten am meisten zerstört, viele weitere Plätze waren stark beschädigt.
Obwohl Leipzig im April 1945 von der US-amerikanischen Armee besetzt wurde, fiel es nach der Konferenz von Jalta der sowjetischen Besatzungszone zu.

Vier Jahrzehnte DDR

Unter der Regierung von Walter Ulbricht nahm die „sozialistische Umgestaltung“ in Leipzig gravierende Züge an. Obwohl im Krieg nur wenig beschädigt, wurde die Universitätskirche gesprengt, und an ihrer Stelle die neue Leipziger Universität erbaut. Zum Symbolbau des Universitätskomplexes wurde das Hochhaus, das mit seiner Spitze weit über die Stadtsilhouette hinaus in den Himmel ragt. Dieser Bau sollte den Sieg der Wissenschaft über die Religion symbolisieren. Die Leipziger belächelten das Gebäude als „Weisheitszahn“, heute ist es Sitz des Mitteldeutschen Rundfunks.

Ein weiteres Werk der Ulbricht-Ära war das Leipziger Zentralstadion, das aus Kriegstrümmern zur Demonstrationsstätte des „Breitensports“ erbaut wurde. Hier fand jährlich das „Deutsche Turn- und Sportfest“ statt, eine öffentliche Zurschaustellung der sportlichen DDR-Jugend. Gleich gegenüber befand sich die DHFK, die Deutsche Hochschule für Körperkultur, an der die „Olympiakader“ der DDR trainiert wurden. Sie wurde 1990 geschlossen und stellte damit praktischerweise keine Konkurrenz zur Kölner Sporthochschule dar.

In den Siebziger Jahren erhielt die Leipziger Universität eine einzigartige Erweiterung. Studenten entdeckten in der Nachbarschaft des Uni-Gebäudes die Mauern eines mittelalterlichen unterirdischen Festungswerkes. Da freiwillige unbezahlte Arbeit in der DDR nichts Ungewöhnliches war, fanden sich schnell genügend fleißige Hände zusammen, um sich einen eigenen Studentenclub zu bauen. Am Bau waren insgesamt 30.000 Studenten beteiligt. Bis heute ist die Moritzbastei ein selbst geführter Studentenbetrieb,  der als non-profit Unternehmen studentische Kulturangebote betreibt und dabei den Rang des „größten Studentenclub Europas“ beansprucht.

Leipzig war nach Berlin außerdem die zweite Hochburg für die künstlerische Ausbildung in der DDR. Im sogenannten „Musikerviertel“ konnte man Kunst, Musik, Ballett, Schauspiel und Theaterwissenschaft studieren. Auch als Buchstadt behielt Leipzig zu DDR-Zeiten seine Bedeutung und veranstaltete jährlich im Frühjahr die Leipziger Buchmesse.

Als Messestadt verlor Leipzig zwar international an Bedeutung, behielt aber zumindest innerhalb der sozialistischen Staaten seinen Messestatus bei, hier wurde alljährlich die Leipziger „Muster-Messe“ der RGW-Staaten abgehalten, eine Leistungsschau sämtlicher Industriezweige, die nach Mitgliedsstaaten sortiert war. Sehenswert ist noch heute der „Russische Pavillon“ auf dem alten Messegelände.

1989 war Leipzig neben Berlin das wichtigste Zentrum der Reformbewegung der DDR. Hier gründete sich ein Teil des „Neuen Forums“, jener Fortschrittspartei, die in freien Wahlen die altbackene SED herausfordern wollte. Gleichzeitig begannen Ausreisewillige gegen ihre Kriminalisierung zu demonstrieren. Ein wichtiger Sammelpunkt der Regimegegner wurde die Kirche, der öffentliche Widerstand gegen die DDR-Dogmen fand in der Leipziger Nikolaikirche ihre erste regelmäßige Form. Die Montagsgebete wurden zum Ausgangspunkt einer Demonstration, die Montag für Montag den Verkehr auf dem Innenstadtring lahm legte und bald zu einer Massendemonstration wurde. Nach dem Verschwinden dem Fall der Mauer verwandelten sich die ursprünglichen Forderungen nach freien Wahlen und Reisefreiheit in Forderungen nach Einführung der D-Mark und der Wiedervereinigung.

Nachwendezeit

In den ersten Jahren nach der Wende fanden in Leipzig rasante Umwandlungsprozesse statt. Während Betriebe und Einrichtungen „abgewickelt“ wurden und Tausende Leipziger ihre Arbeit und zum Teil ihre berufliche Anerkennung verloren, etablierten sich ebenso schnell neue Unternehmen und kulturelle Institutionen. In wenigen Jahren wurde eine kulturelle Szene geschaffen, die bis jetzt das Flair der Stadt prägt. Aus dieser Zeit der Aufbruchstimmung stammt wohl auch der Slogan der städtischen Image-Kampagne „Leipziger Freiheit“.

Besonders der Südteil der Stadt, vor 1989 eine langweilige Wohngegend, entwickelte sich zu einem pulsierenden Szenegebiet rund um das Connewitzer Kreuz, das auch dem Leipziger Stadtmagzin „Kreuzer“ seinen Namen gab.

Die bedeutenden Kunststätten Leipzigs wurden nach der Wende baulich erneuert und damit zu touristischen Attraktionen der Stadt, so etwa die Leipziger Gemäldegalerie, die Leipziger Oper, das Gewandhaus, das Grassi-Museum. Und natürlich ist Leipzig auch wieder zum Internationalen Pilgerort für Musikliebhaber geworden. Jährlich strömen zahllose Besucher zur Thomaskirche, um die berühmteste Wirkungsstätte von Johann Sebastian Bach zu sehen und einer Motette des Thomanerchors zu lauschen.

Der große Leipziger Bahnhof wurde ebenfalls modernisiert. Im spektakulären Neubau ist die historische Kulisse erhalten und lässt den Besucher schon bei der Ankunft die historischen Dimensionen der Stadt erahnen.

Mit einer neugebauten Messe hat Leipzig nun auch wieder den Anschluss an die deutsche Messelandschaft erreicht, auch wenn der zehnte Platz auf der Liste der größten deutschen Messen nicht der historischen Bedeutung der Messestadt entspricht. Die Innenstadt ist nach wie vor vom größten und wohl auch schönsten Messehofkomplex geprägt, der jemals in Deutschland erbaut wurde.


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